Am 14. September 2014 wählt Brandenburg einen neuen Landtag. Wie zu jeder Landtagswahl dominieren Wahlplakate mit dem Wörtchen "sozial" das Bild:
Für mich Anlass, die Vorsitzende des Petitionsausschusses des Landtags Brandenburg, Bettina Fortuanto (DIE LINKE) einmal zu fragen: "Wie sozial ist der Rundfunkbeitrag?"
Offener Brief:
XXX XXX
Bettina Fortunato MdL
DIE LINKE. Fraktion im Landtag
Brandenburg
Alter Markt 1
14467 Potsdam
XXX, 11.9.2014
Offener Brief[1]
: Wie sozial ist der Rundfunkbeitrag?
Sehr geehrte Frau Fortunato,
wie ich erfahren habe, wurden Datschenbesitzer von der Zahlung der
Rundfunkbeiträge befreit.
Meine Petition 3881/5 mit 399 Unterstützern zwecks Befreiung von
den Rundfunkbeiträgen aus sozialen Gründen hatten Sie
seinerzeit jedoch abgelehnt, da es Familien wie uns, selbständig,
kinderreich, mit einem Einkommen unter dem Mindestbedarf, offiziell
gar nicht gibt.
Dass uns die Auszahlung ergänzender Sozialleistungen gezielt
schon seit zwei Jahren verweigert wird, glaubt uns niemand, denn laut
öffentlich-rechtlichem Rundfunk leben wir ja in einem perfekt
funktionierenden, familienfreundlichen Sozialstaat und entsprechend
kann sich auch niemand vorstellen, dass durch den Rundfunkbeitrag das
Existenzminimum meiner Kinder beschnitten wird.
Vor dem gleichen Problem stehen übrigens auch ausländische
Studenten mit kleinem Budget, die kein Bafög erhalten. Mitunter
sammelt ein ganzes afrikanisches Dorf, um einem jungen Menschen das
Studium in Deutschland zu ermöglichen. Nun muss dieser Student in
Deutschland Rundfunkbeiträge bezahlen. Wissen Sie, was für einen
Wert 18 Euro in Afrika darstellen? Sie können dafür zwei Ziegen
kaufen.
DIE LINKE wirbt für die anstehenden Landtagswahlen mit dem Wort
„sozial“. Brandenburg sei sozial, behaupten Sie. Ich kann dies
aus meiner persönlichen Erfahrung heraus leider nicht bestätigt
finden.
Vielmehr sehe ich, dass es zwei Klassen Menschen gibt:
Datschenbesitzer und Fernsehnutzer als klassische Stammwähler der
LINKEN, die von den Rundfunkbeiträgen befreit werden, sowie Familien
mit Kindern und kleinem Einkommen, die keinen Fernseher haben und
voll die Rundfunkbeiträge bezahlen müssen.
Hier finden Sie auch den u.a. auf meinen Fall bezogenen Artikel
aus der Wochenzeitung „der Freitag“, Printausgabe 34/14 vom
21.08.2014:
https://www.freitag.de/autoren/simons/diese-kaputten-tatort-kommissare
Wäre es nicht also an der Zeit, den Rundfunkbeitrag zu
reformieren und Bürger, die Radio und Fernsehen nicht nutzen
möchten, oder aus finanziellen Gründen nicht nutzen können, von
der Beitragspflicht zu befreien?
Müssen Bürger, die kaum selbst genug zum Leben haben,
Intendantengehälter finanzieren, die ein Mehrfaches über dem der
Bundeskanzlerin liegen?
Brauchen wir Talkshows, in denen Multimillionäre mit
Multimillionären „diskutieren“ um die öffentliche Meinung zu
lenken?
Brauchen wir immer noch mehr Konsum- und Mainstream-Kultur wie sie
die öffentlich-rechtlichen Sender propagieren oder wird es nicht
langsam Zeit, umzudenken, Verantwortung zu übernehmen und den
mündigen Bürger mit seinen Interessen ernst zu nehmen?
Wie sehen Sie das? Ich denke, es wird Zeit, die
Rundfunkfinanzierung auf neue Beine zu stellen.
Es gibt hierzu übrigens zahlreiche Lösungswege: Technisch
einfach und sozial verträglich wäre eine Verschlüsselung der
öffentlich-rechtlichen Angebote. Bei dieser Lösung müssten nur
noch diejenigen zahlen, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch
nutzen und Hartz-IV-Empfängern könnte auf Antrag ein kostenloser
Zugang finanziert werden. Alle anderen Bürger könnten sich dann
frei und unabhängig informieren.
Gerne können wir Ihr Antwortschreiben wieder veröffentlichen.
Herzliche Grüße
XXXXXX
[1]
http://presse-und-informationsfreiheit.blogspot.com/2014/09/landtagswahl-brandenburg-wie-sozial-ist.html